19

Apr

2015

Mehr Kalkputz an der Fachwerk-Fassade


16℃


Wir sind immer noch dabei mit selbstgemachtem Kalkputz die Fassade zu verkleiden und dabei zu lernen. Anfangs dachte ich — optimistisch wie ich bin — wir könnten einfach ordentlich Putz auftragen und fertig. Diese Vorstellung verflüchtigte sich jedoch schnell, als wir mit dem Verputzen im Haus Fortschritt machten und dabei Erfahrung sammelten.

Die Außenfassade des Hauses braucht Putzstärken zwischen 5mm und 40mm, was für eine Putzschicht schlicht zu viel ist — zumal es ohnehin selten bei einer Stärke bleibt über die Fläche des Gefachs. Bei Putzstärken von mehr als 10mm neigt der selbstgemachte Kalkputz dazu zu reißen und Risse will man ja tunlichst vermeiden.

Als Grundierung für den Untergrund verwenden wir stets Kalk-Kaseinmilch — also eine Mischung aus Sumpfkalk und Quark — mit dem wir den darunterliegenden Lehm- oder Kalkputz kräftig einreiben. Vorher wird die zu verputzende Fläche natürlich von losem Putz befreit, sofern das notwendig ist. Ein alter Besenkopf hilft das schnell zu erledigen.

Das Gefach wird mit Kalk Kaseinmilch eingerieben

Kalk Kaseinmilch auf Kalkputz

Ist der Untergrund ordentlich eingenässt worden, bzw. hat sich der Lehm gut mit der Kalk-Kaseinmilch vermengt, kann damit begonnen werden den Kalkputz aufzutragen. Je nach Außentemperatur, Saugfähigkeit des Untergrunds und Feuchtigkeit des Kalkputzes hat man dafür mehr oder weniger Zeit. Annika musste feststellen, dass sie etwas zu langsam bzw. sorgfältig beim Auftragen war und so zog der Kalkputz an, bevor das Putzgewebe eingearbeitet werden konnte.

Annika trägt mit Kelle und Traufel den Kalkputz auf

Abstand halten

Das Fachwerk ist schief. Das gehört so und macht den Charme eines alten Hauses aus. Es bedeutet aber auch, dass viel "vermittelt" werden muss. Es müssen mitunter ungewöhnliche Arbeitsmethoden für handwerkliche Herausforderungen am Fachwerkhaus gefunden werden.

Wir fanden heraus, dass mehrere Schichten Kalkputz in Etappen aufgetragen werden mussten um die Außenhaut aufzubauen. Die einzelnen Putzschichten dürfen dabei weder zu dünn, noch zu stark sein. Ist der Kalkputz zu dünn besteht die Gefahr, dass er sich ablöst — durch die Schwerkraft oder weil er zu schnell zu viel Flüssigkeit verliert. Ist er zu stark, so bildet er Risse oder "sackt ab" und bildet dann Wellen.

Eine Putzschicht von 8mm bis 10mm stellte sich als ideal für die letzte Putzschicht heraus, also bauten wir uns ein Abziehbrett mit dem wir sicherstellen konnten, dass dieser Abstand zum Putz eingehalten wurde. Dieser Schritt ist nur für die vorletzte Schicht relevant; die Schichten zuvor wurden frei mit der Hand aufgetragen.

Ein Abziehbrett als Hilfswerkzeug

Das Abziehbrett ist an den Kanten schmaler

Der Clou dabei war die seitlichen Vertiefungen, welche dafür sorgen, dass der Mittelteil des Abziehbretts 8mm-10mm tiefer liegt als die Kanten, welche am Fachwerk aufliegen.

Hier ist das Problem natürlich, dass die Holzbalken in sich auch entweder "gedreht" oder schief geschnitten sind, sodass die Aufliegefläche des Abziehbretts manchmal deutlich höher liegen als die fein abgeleitete und berechnete Theorie vorsieht. Theorie und Praxis halt ☺.

Die Lücke zwischen Abziehbrett und Kalkputz ist für die letzte Putzschicht gedacht

Putzgewebe in jede Schicht

Es gibt die unterschiedlichsten Rezepte für Kalkputz. Die Grundmasse besteht dabei stets aus Sumpfkalk und Sand als Zuschlagstoff. Die einzelnen Sandkörner sollen dabei vom Sumpfkalk leicht umhüllt und miteinander "verklebt" werden um ein Gesamtgebilde zu erschaffen welches Witterungsbeständig ist. Die unterschiedlichsten Zuschlagstoffe sollen dabei helfen den Kalkputz beim karbonatisieren ("abbinden") zu helfen oder vor Rissbildung zu schützen.

Da sich unsere Experimente momentan nur mit der Grundmasse beschäftigen und diese in der Vergangenheit wunderbar karbonatisierte und eine wirklich sehr kräftige Kalkschicht gebildet hat, ist unsere einzige Sorge die Rissbildung bei (versehentlich) zu starken Putzdicken.

Das Putzgewebe wurde zugeschnitten

Die Lösung besteht für uns momentan darin in jede der zwei bis drei Schichten Kalkputz eine lage Putzgewebe einzubringen. Es gab Versuche ohne das Putzgewebe, doch die genaue Abstimmung der Putzstärke stellte sich als schwierig heraus. Das Gewebe half den Vorgang deutlich zu vereinfachen.

Das Putzgewebe wird in den Kalkputz eingearbeitet

Anfangs glätteten wir noch jede einzelne Putzschicht — doch aus dem Alter sind wir jetzt raus. Jetzt wird nur noch mit der Hand (im Handschuh, bitte!) die Oberfläche grob glatt gestrichen, denn die Kalkputzstriche bzw. die Textur hilft der nächsten Lage sich mit der darunter zu verzahnen und schafft so eine durchgehend kräftige Kalkhaut.

Wie eingangs gesagt sind wir noch am Experimentieren aber das ist der letzte Stand. Als nächstes würde ich den zeitlichen Ablauf zwischen dem Auftrag der einzelnen Schichten besser steuern. Ideal wäre es, wenn die Kalkputzschicht auf die aufgetragen wird noch feucht ist, wenn die nächste aufgetragen wird. Das ist aus beruflichen Gründen aber leider nicht immer möglich.

Auch der Effekt vom Beimengen von Kalk-Kaseinleim würde mich interessieren — leider ist der Nachteil von Kalk-Kaseinleim, dass er nicht lange haltbar ist und innerhalb weniger Stunden verarbeitet werden muss. Den Kalkputz wie wir ihn jetzt anmischen, kann über Wochen eingelagert werden ohne an Qualität zu verlieren (vorausgesetzt, man denkt an die Sperrschicht aus Wasser).

  1. Kommentare

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