04

Jul

2013

Eine Türzarge für das Gäste-WC


04.07.2013, 23°C


Gestern wurden zwar die Türzargen, nicht jedoch die Kassettentüren gezeigt die wir erstanden hatten. Das wird heute jedoch zu genüge nachgeholt während ich meine erste Türzarge konstruiere. Wohlgemerkt es sollte nur ein Grundgerüst sein um die Tür aufzunehmen – es war nicht mein Ziel eine fertige Zarge mit Zierrand zu erstellen (so realistisch bin ich dann doch noch).

Alle drei Türen stammen aus dem letzten Jahrhundert des vergangenen Jahrtausends und nicht nur hatten sie die für uns wunderbare Höhe von 210cm, nein es gab sogar zwei breite und eine schmale Tür im gleichen Stil – genau wie wir sie benötigten!

Eine Kassettentür aus dem frühen 20ten Jahrhundert

Leider hatten in den Jahrzenten viele mehr oder minder begabte Menschen die Pinselführung an den Türen geübt und zuletzt einfach aufgegeben und bei zwei Türen jeweils eine Seite mit einer flächigen Holzpappe zugenagelt – Scheinbar mit einem umgebauten Maschinengewehr. Die Flächenverkleidung wurde also entfernt und sogleich der Beschluss gefasst, dass diese Türen irgendwann abgebeizt und dann entweder lasiert oder geölt werden müsten; wir machen das von der Holzqualität abhängig ;-) .

Kassettentür mit einer Presspappe verkleidet

Nagellöcher in der Kassettentür nachdem die Verkleidung entfernt wurde

Kassettentür kürzen

Die Holztür für das Gäste-WC war ca. 15mm zu lang, weshalb diese noch eingekürzt werden musste. Das passte uns auch ganz gut, weil die Holzfläche unter der Tür ziemlich gammelig aussah.

Kassettentür auf Holzböcken mit Werkzeug und Kaffee

Für diese Art von Arbeit war die Handkreissäge mit der umgebauten Führungsschiene von Wolfcraft ein Segen. Der Schnitt konnte schnell und präzise gemacht werden ohne großartige Vorbereitungen.

Holztür wird gekürzt

Die untere Kante der Holztür Kassettentür war verbraucht

Das frisch geschnittene Holz hingegen sah hell und freundlich aus. Auch die Anzahl der Wurmlöcher hatte bei einer Tiefe von 15mm stark nachgelassen.

Altes verbrauchtes Holz und frisches Holz an der Unterseite der Kassettentür

Ausrichten der Tür

Die Unsicherheit stand mir sicherlich im Gesicht geschrieben, als ich mich daran machte die Tür einzusetzen. Bislang war stets geplant gewesen Türen zu kaufen, doch irgendwann wurde deutlich, dass unser Budget das hinten und vorne nicht mehr hergeben würde. Es musste anders gehen und dennoch zu einem brauchbaren Ergebnis führen: Nämlich zu einer Tür die man öffnen und schließen kann ohne, dass diese von alleine auf- oder zuklappt.

Mit diesem Grundsatz im Hinterkopf, machte ich mich mit dem zwei Meter langen Richtscheit samt Libelle, sowie einigen kleinen Holzkeilen daran die Tür so auszurichten, dass sie lotgerecht im Fachwerk stand. Holzkeile sind wirklich ungeheurlich nützlich (nur mal so am Rande erwähnt).

Kassettentür neben Richtscheit Wasserwaage

Holzkeile halten die Holztür an ihrem Platz

Als die Tür in alle Richtungen ausgelotet war, wagte ich es die Scharniere provisorisch im Fachwerkbalken zu befestigen. Das schöne an Fachwerk ist ja, dass man überall ohne irgendwo eine Schraube ins Holz ziehen kann ohne das lästige Vorbohren und Dübeln nur um dann zu merken, dass man doch falsch angezeichnet hatte. Heute reichte es jedoch die Löcher für die Scharnier ein einziges Mal anzuzeichen, denn ich hatte Glück und alles funktionierte auf Anhieb *freu*.

Kassettentür Holztür im Fachwerk eingehängt

Genauere Betrachtung des Fachwerks

Als die Tür dann in den Scharnieren hing (und sie klappte weder alleine auf noch zu) ging es um die genauere Betrachtung des Fachwerks drumherum. Während auf der Anschlagseite der Fachwerkbalken gerade gewachsen ist, sieht der Balken auf der Schlossseite schon anders aus. Trotzdem sollte genau an diesem Fachwerk – ob gerade oder nicht – eine Zarge angebracht werden um der Tür einen ordentlichen Abschluss zu geben.

Schief gewachsenes Fachwerk Holz neben Kassetentür

Am linken Anschlag bleibt viel Platz

Was mir noch auffiel, war das sowohl der Lehm- als auch der Kalkputz weit in den Türrahmen hineinragten und zum Teil entfernt werden müssten, wenn ein Holzbrett als Zarge am Fachwerk anliegen sollte. Zumindest das Abschaben der Putz konnte schnell mit einem Flacheisen erledigt werden und somit stand dem Zuschnitt der Zarge nichts mehr im Weg.

Scharnier mit vielen Unterlegscheiben provisorisch angehoben

Flacheisen als Riesenschaber für Lehm und Kalkputz am Fachwerk

Abgeschabter Türdurchgang lässt Platz für eine Zarge

Eine Zarge im Schnelldurchgang

An dieser Stelle muss ich mich für die fehlende Dokumentation während der Entstehung der Türzarge entschuldigen, weil es jetzt nur noch das halbfertige Produkt zu sehen gibt.

Holztür Kassettentür im Fachwerk mit Zarge

Meine Türzarge besteht im wesentlichen aus zwei langen, 30mm starken Leimholzplatten (300mm breit und 2500mm lang), denen ich auf der Türseite mit der Oberfräse eine passende Senkung verpasst habe um die Tür dort aufzunehmen bzw. dem Türblatt einen Abschluss zu bieten. Oberhalb der beiden Seitenteile der Zarge wurde ein weiteres Leimholzbrett quer auf Spannung eingekeilt – ein Verfahren welches mir nicht gefällt. Ich hätte den oberen Abschluss auf die Seitenteile legen sollen.

Türzarge bei aufgeklappter Tür

Wegen des natürlich gewachsenen Fachwerkbalken steht die Türzarge auf der Außenseite stark über – eine Tatsache die ich nicht werde ändern können. Zuerst dachten wir, dass eine Zarge rundherum Zierleisten (Deckleisten) braucht – mittlerweile sind wir aber zu dem Schluss gekommen, dass wir im Bereich des Sichtfachwerks ohne auskommen werden bzw. eine sehr angepasste Form brauchen werden (womöglich direkt aus einem dünnen Stamm geschnitten).

Schiefes Fachwerk und gerade Zarge

Im Innenbereich des Gäste-WCs hingegen macht die Türzarge einen erstaunlich guten Eindruck. Abgesehen von dem oberen Querbrett der Zarge und dem Überstand zum Mauerwerk sieht die Zarge gut aus und schließt auch ziemlich gut mit der Tür ab.

Ungeschnittene Türzarge Raumseitig

Ueberstand der Türzarge in den Innenraum

Neben den genannten "Mängeln" fehlen noch konkrete Überlegungen zu einem Dichtungsgummi, sowie das Anbringen eines Türschlosses. Momentan behelfen wir uns mit einem kleinen Ampelmännchen-Schild was jedoch erstaunlich gut funktioniert – selbst mit den Kindern.

Holztür und Zarge liegen gut an

  1. Kommentare
    1. mama · 06.09.2013 · 14:58

      Fantastische Knobel/Hobelarbeit, Vossie!! Ich ziehe meinen Hut!!

    2. Ole Der Bauherr :-) · 29.08.2013 · 22:28

      Hey Rayk, danke für die Blumen. Ich war selbst erstaunt, dass es so gut funktioniert hat aber ich habe wirklich ziemlich viel daran arbeiten müssen mit der Oberfräse bis ich alles so hatte, wie es sein sollte. Es war auch viel Lernzeit (mal wieder) dabei. Ich freue mich aber schon darauf die Zarge zu vollenden - noch bin ich nicht dazu gekommen ^^. Grüße!

    3. Rayk · 29.08.2013 · 13:59

      Hallo Ole, ein dickes Kompliment an die Zarge...

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