09

Nov

2012

Autobahn der Wasserleitungen


09.11.2012, 9°C


In diesem Haus werden viele unüblichen Wege beschritten, das ist unumstritten. Als jemand, der traditionelle Baustoffe für sich entdeckt hat ist man ohnehin schnell der Mittelpunkt des Kopfschüttelns in einer Gesellschaft der schnellen Baukunst.

Als ich dem Klempner davon berichtete, dass ich keine Wasserleitungen in den Wänden haben möchte, bekam ich geschätzte zwanzig Mal zu zehn Zeitpunkten zu hören "Das macht man nicht". Ja, danke, ich weiß – will es aber trotzdem so machen weil:

  • Ich eine lang anhaltende, mit Pannen gespickte Geschichte mit Wasserleitungen jeglicher Art habe
  • Keine Schwachstellen (Verbindungselemente) in Wasserführenden Rohren in meine Lehmwände sollen
  • Es mir an Erfahrung fehlt Wandheizung, Elektroverkabelung, Computernetzwerk und Wasserleitungen in die Wand unter den Putz zu bringen
  • Selbst wenn ich alle Leitungen in die Wände einbringe, brauche ich einen noch stärkeren Wandaufbau – wann soll das denn fertig werden?
  • Die Wasserleitungen aufputz auch noch später hinzugefügt werden können, wenn ich nicht mehr mit dem Verputzen der Wände beschäftigt bin
  • Und überhaupt, ich habe mich jetzt dafür entschlossen, weil es sich für mich richtig anfühlt, auch "Wenn man das so nicht macht"

Der Klempner und ich sind getrennte Wege gegangen (spätestens nach dem frech überteuerten Angebot für die Wandheizung).

Die verrückte Stockschraubenschraubmaschine

Die Außenwände des Hauses bestehen aus Lehmsteinen und Lehmunterputz von Claytec. Darauf sind (Raumseitig) 100mm Holzfaserdämmplatten von Pavatex angebracht (mit Lehm verklebt und festgeschraubt) und mit 45mm Lehmputz (Lehmunterputz und Lehmoberputz) versehen. Als finale Putzschicht sind 5-10mm Kalkgrundputz von Gräfix aufgebracht worden.

Jede Schraube oder sonstiges Befestigungselement hat somit ca. 16cm zu überbrücken, bevor es in ausreichend starke Lehmgefilde vordringt. Daher benutze ich für bleibende Elemente gerne 300mm Stockschrauben. Es machte mir heute aber keinen Spaß mehr in Handarbeit die Stockschrauben mit einem 7mm Ratschenaufsatz in die Wände zu drehen, also kam mir die Idee die Stockschraube einfach in den Akkuschrauber zu spannen und mit max. 45Nm einzuschrauben.

Stockschraube eingespannt im Akkuschrauber

Stockschrauben als Halterung in Lehmwand mit Kalkputz

Akkuschrauber an Stockschraube in Wand

Das hat wunderbar geklappt! Der Akkuschrauber hat bei ca. 6cm Restlänge der Stockschraube schlapp gemacht und das passte perfekt für mein Vorhaben eine Holzvertäfelung anzubringen.

Stockschraube in Lehmwand versenkt

Holzautobahn für Aufputz-Wasserleitungen

Mein Beweggründe dafür, die Wasserleitungen aufputz zu verlegen, habe ich bereits oben erwähnt. Lasst uns – der Einfachheit halber – das als Gegeben annehmen :-) . Das ist kein Stursinn, aber ich werde den Putz ohnehin nicht noch einmal aufreißen. Wir können also alle gemeinsam den Atem anhalten, ob es mir gelingt die Wasserversorgung anständig zu lösen.

Das Problem beim Befestigen von Dingen in diesen Wänden sind nicht nur die Elektroleitungen, sondern auch (und vornehmlich) die Alu-Verbundrohre, welche die Wandheizung bilden. Ohne einen Metalldetekor mache ich also keine Löcher mehr. Als gute Mischung hat sich ein anständiger Multidetektor und ein langsam drehender Akkuschrauber herausgestellt. Sobald der weiche Untergrund der Holzfaserdämmplatte erreicht ist, kann hemmungslos geschraubt werden. Der Akkuschrauber dreht sich aber so langsam und ich brauche so wenig Druck, dass ich keine Sorge haben muss eine Leitung zu beschädigen.

"Zu langsam", "Das dauert ja Ewig" höre ich schon die Unkenrufe. Mitnichten, denn die obersten 6cm sind sehr zügig mit einem Steinbohrer und langsam drehendem Akkuschrauber überwunden. Da das Gesamtprojekt, etwas zu befestigen nur zu einem Bruchteil aus den Bohrarbeiten besteht, ist hier ohnehin kein nennenswerter Zeitgewinn zu erreichen. Ich denke mir dann immer folgendes: Wenn ich mit Lichtgeschwindigkeit die Schritt XYZ fertig hätte, wie viel Zeit könnte ich dann gewinnen. Fazit: Fast keine :-) .

Die Holzvertäfelung zieht sich auch ins Obergeschoss

Die Frage bleibt, warum ich denn diese Holzunterlage überhaupt schaffe? Weil ich viele Rohre zu befestigen habe und überall Alu-Verbundrohre lauern. Es würde zu lange dauern so viele Wasserrohre zu befestigen, wenn ich bei jedem Bohrloch erst einmal eine sichere Stelle ermitteln müsste. Also habe ich mich für eine Holzunterlage entschieden, in die mit herzenslust sehr kurze (50mm) Stockschrauben eingedreht werden können ohne sich auch nur einmal Sorgen um die Wandheizung machen zu müssen.

Das wird mir einer Menge Ärger und Zeit sparen ;-) .

Rauspund als Grundlage der Wasserleitungen im Gäste WC

Die Holzbahnen werden der Untergrund für die Wasserleitungen

  1. Kommentare
    1. Matthias · 16.11.2012 · 15:17

      http://www.wikidorf.de/reintechnisch/Inhalt/HolzOelen -> DER Link zum Thema Öl/Holz ölen etc... Hat mir sehr geholfen.

    2. Ole Der Bauherr :-) · 16.11.2012 · 10:49

      @Sandra: Ja, ich erinnere mich an die Problematik. Bei Annika gab es auch schon diverse Reparaturen an toll verlegten Unterputz-Leitungen. Grüße!

    3. Ole Der Bauherr :-) · 16.11.2012 · 10:48

      @Matthias: Ja, der Multidetektor gehört zum Standard-Werkzeug :-) . Das mit den Installationszonen habe ich etwas vergeigt aber nicht komplett. Dadurch, dass ich größtmögliche Flächendeckung bei der Wandheizung haben wollte, ging die Elektroinstallation nach unten. Soweit kein Problem aber das Netzwerkkabel verläuft auf Höhe der Fußbodenleisten ^^. Naja, dann denke ich mir was anderes aus. Wird schon alles passen. Hauptsache es gibt nachher Strahlungswärme aus der Wand. Grüße!

    4. Matthias · 16.11.2012 · 00:08

      Unser Archi war so ähnlich drauf. Es fing an mit "Aufputz ist super. Da siehste gleich, wenn was defekt ist." und endete in "Ok, unter Putz, ABER keine Verbinder im Putz und verlegen nur in der Wand ÜBER Fertigfussboden, so dass man ein Dilemma auch sehen würde." Gesagt getan. Gegen Aluverbundlöcher hilft auch hier Metalldetektor und Installationszonen :) Viel Spass weiterhin.

    5. Sandra · 11.11.2012 · 20:42

      Ich wohne in einem Mietshaus mitten in der Stadt und habe auch keine Wasserversorgung, also was soll's. Wer mal in einer britischen Kolonie war, weiß, wie man Eimer und Becher benutzt.

    6. Annika Die Bauherrin :-) · 10.11.2012 · 12:21

      Ich find's ''ne prima Eigenlösung die du da ersonnen hast - aber das weißt du ja :)

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